Ricken: Guirassy ist nicht zu verkaufen

Tuna Başkan
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calendar_month 1. Juni 2026 visibility 30 Aufrufe

Die Erklärung aus Deutschland am Montagnachmittag war ein Stoppschild in der Transferakte von Serhou Guirassy, die seit Tagen die Agenda der Türkei beschäftigt. Borussia Dortmunds Sport-Geschäftsführer Lars Ricken übermittelte seine Worte klar an die in Essen ansässige Regionalzeitung WAZ: „Uns liegt kein Angebot für Serhou vor. Wir haben auch nicht vor, ihn abzugeben. Er hat seinen Wert für Borussia Dortmund in den vergangenen beiden Spielzeiten eindrucksvoll unter Beweis gestellt." Diese drei Sätze wurden zur offiziellen deutschen Antwort auf alle Behauptungen über „mündliche Vereinbarungen" während der Fenerbahçe-Wahlkampagne.

Der Hintergrund der Erklärung ist die außerordentliche Wahlhauptversammlung von Fenerbahçe, die am 6.-7. Juni 2026 stattfinden wird. Während die beiden Präsidentschaftskandidaten — Aziz Yıldırım und Hakan Safi — um die Stimmen der Kongressmitglieder konkurrieren, sind Transferversprechen in den Mittelpunkt der Kampagne gerückt. Laut einem Samstag-Bericht von Yağız Sabuncuoğlu wurde behauptet, dass Aziz Yıldırım sowohl mit Guirassy als auch mit Borussia Dortmund eine „mündliche Vereinbarung" getroffen habe; es wurde geschrieben, dass die Gespräche formalisiert würden, wenn Yıldırım die Wahl gewinnen würde. Vom gegenüberliegenden Flügel machte Hakan Safi eine ähnliche Behauptung, als er die Kongressmitglieder in Antalya ansprach: „Ich habe mich am 23. April persönlich mit dem guineischen Mittelstürmer Serhou Guirassy getroffen, der bei Dortmund unter Vertrag steht und den ich seit langem genau verfolge. Wir werden morgen ein weiteres Treffen haben. Wer auch immer die Wahl gewinnt, wird Guirassy holen." Diese Rivalität lag im Hintergrund des Bildes, das in den türkischen Medien als „Transferankündigungen von zwei Fronten" bekannt war.

Die Erklärung von Lars Ricken ist eine direkte Antwort auf die von diesen beiden Kandidaten geschaffene Wahrnehmung. Das WAZ-Interview vom Montag, 1. Juni, beweist auch, dass die türkische Agenda einen internationalen Widerhall fand. Es gibt ein wichtiges Detail, das auch der deutsche Regionaljournalismus in der Gegend hervorhebt: BVB wird sich nur dann an den Verhandlungstisch setzen, wenn ein Angebot über 40 Millionen Euro kommt. Der strukturelle Grund dafür ist die Ausstiegsklausel in Guirassys Vertrag: Es gibt eine Ausstiegsklausel von rund 35 Millionen Euro, aber diese Klausel gilt für die sieben-acht Top-Klubs Europas (Real Madrid, Barcelona, Manchester United, Manchester City, Arsenal, Chelsea, Liverpool). Fenerbahçe steht nicht auf dieser Liste. Der gelb-marineblaue Verein wird also für Guirassy an einem klassischen Verhandlungstisch sitzen müssen.

Auch Guirassys persönliche Position ist in dieser Gleichung wichtig. Der frühere Bericht der deutschen Bild-Zeitung hatte erklärt, dass der 30-jährige guineische Stürmer Dortmund aus sportlichen Gründen verlassen will und „den letzten großen Vertrag seiner Karriere" garantieren möchte. Guirassy, dessen Jahresgehalt etwa 9 Millionen Euro beträgt, hat einen Bruder und Agenten namens Karamba Guirassy, der bekanntermaßen den Spieler auch saudi-arabischen Pro-League-Vereinen angeboten hat — dort bestand die Möglichkeit, dass sich sein Einkommen verdoppeln würde. Aber laut Bilds Bericht ist die saudi-arabische Option jetzt „die zweite Priorität"; Guirassy zieht es vor, sich zunächst mit einem europäischen Verein zu treffen, der in der Champions League spielen wird. Dieser Punkt öffnet vielleicht eine Hoffnung für Fenerbahçe — der gelb-marineblaue Verein war in dieser Saison in der Champions League.

Wenn man Guirassys Dortmund-Karriere betrachtet, sieht man, dass Rickens Satz „eindrucksvoll unter Beweis gestellt" in seiner Erklärung an seinem Platz ist. Der 30-jährige Stürmer kam im Sommer 2024 aus Stuttgart in die Westfalenregion. Er hat bemerkenswerte Daten von 60 Toren und 15 Vorlagen in 96 Spielen in zwei Saisons. Diese Saison nahm er an 46 Spielen einschließlich Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal teil. Seit Niko Kovac den Stuhl übernommen hat, ist er auch neben Karim Adeyemi — zu einer Zeit, in der auch Vertragsverlängerungsgespräche mit Adeyemi laufen, scheint Ricken entschlossen zu sein, die Stabilität in der Angriffslinie des Vereins zu erhalten.

Auf der anderen Seite gibt es auch andere Bewerber für Guirassy in Europa. Der AC Mailand wurde von Goal.com als „hoch auf der Wunschliste" gemeldet. Englische Premier-League-Klubs sind auch lange interessiert. Darüber hinaus wies Ricken letzten Monat auch Gerüchte über einen Guirassy-Backup-Plan mit Nick Woltemade von Newcastle bei Sport Bild zurück: „Ich höre das zum ersten Mal. Daran ist nichts dran. Unsere Angriffslinie ist mit Guirassy und Fábio Silva hervorragend positioniert." Die Dortmund-Seite liefert also ständig die Botschaft „Guirassy bleibt bei uns" gegen Medienbehauptungen. Auch die WAZ-Erklärung vom Montag ist die neueste Bekräftigung davon.

Wie die Transferakte nach der Fenerbahçe-Wahl am 6.-7. Juni geformt wird, ist noch ungewiss. Wer auch immer der neue Präsident sein wird — Yıldırım oder Safi — die Guirassy-Behauptung wird als Versprechen auf dem Tisch bleiben. Aber mit Rickens heutiger Erklärung muss die Arbeit jetzt nicht mit „Vereinbarungsankündigungen" in der Türkei, sondern mit einem konkreten offiziellen Angebot und Verhandlungsprozess in Deutschland weitergehen. Die 40-Millionen-Euro-Stange in dem WAZ-Bericht scheint auch der Ausgangspunkt davon zu sein. Wenn der gelb-marineblaue Verein das Guirassy-Ziel weiterverfolgt, wartet die Zeit, von Worten zu Taten überzugehen, an der Tür.

Quelle: WAZ

Bild: getfootballnewsgermany.com

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